Da sass ich nun. Zu Hause auf dem Sofa. Zurück aus dem Spital und wartete. Eine Woche, dann haben sie die Resultate. Ich wusste noch nicht, dass dies die härteste Woche meines Lebens werden würde. Die Ungewissheit was bei der Biopsie rauskommen würde nagte an mir und die Spirale drehte sich. Was, wenn es tatsächlich ein Tumor ist. Gutartig oder bösartig ? Ja, die Wahrscheinlichkeit ist klein, hat die Ärztin gesagt. Aber ich hab ja noch nie richtig in irgend ein Raster gepasst, bei mir zählt das nicht.

War’s das dann ? War das mein Leben ? Die letzten Jahre waren hart. Ich studierte 100% und arbeitet nebenbei 40% in einer Kanzlei. Freizeit war knapp, die Zeit mit meinem Lebenspartner auch. Und was ist aus all meinen Träumen geworden, die ich als Teenager hatte ? Die Welt bereisen, fremde Kulturen kennen- und verstehen lernen, kreativ zu sein, das Leben als Freigeist, … Wie viel Zeit hätte ich denn noch ? Würde das reichen um die Dinge noch zu tun, die ich schon immer ausprobieren und erleben wollte ? Und habe ich all meinen Lieben genug gesagt, wie unglaublich wichtig sie für mich sind, wie viel sie mir bedeuten, was für wunderschöne Menschen sie sind ?

Es war in den Semesterferien im Sommer 13. Ich hatte mich soeben für den Master of Law angemeldet und dachte, Staatsanwältin zu werden sei mein grosser Traum. Und dann kam mir dieser Knoten in der Brust in den Weg. Ich lag eines Abends auf dem Sofa, den Laptop auf dem Bauch – da spürte ich in meiner Brust einen Knoten.

In dieser Woche des Wartens habe ich viel reflektiert, über mich und mein Leben nachgedacht, darüber was wirklich wichtig ist und ob mein aktuelles Leben denn zu meinen Vorstellungen eines glücklichen & zufriedenen Lebens passte. Ich merkte, dass das Leben, das ich lebte eigentlich nicht viel mit dem gemeinsam hatte, wie ich mir das vorstellen und wünschen würde. „100% studieren und nebenbei arbeiten ist hart, ja. Aber da musst du halt durch.“ bekam ich häufig zu hören. Musste ich das wirklich ? Diese Woche des Wartens hat bei mir sehr viel verändert. Ich wurde mir bewusst, wie unglaublich wertvoll unser Leben ist. Wir haben nur ein Leben und ich möchte später zurück schauen können und sagen: ich habe gelebt. Ich habe das Leben in allen Farben und Formen ausgekostet und viele wunderschöne Momente erlebt, an die ich  mich erinnern kann. Ich will nicht mehr Teil dieser Maschinerie sein, wo ich so viel arbeiten muss um erfolgreich Karriere zu machen, aufzusteigen und viel Geld zu verdienen, dass am Schluss keine Zeit mehr für die wichtigen Menschen, für Abenteuer und Erlebnisse aber auch für die kleinen Dinge im Leben bleibt. Ich will mehr von der Welt sehen, mehr Abenteuer erleben und meine vielseitigen Interessen ausleben. Ich will mehr vom Leben. Ich will intensiver leben. Ich will Spuren in den Herzen anderer Menschen hinterlassen.

Das war der Anfang meines Weges.

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