Wie meine treuen Leserinnen bereits wissen, hat Nachhaltigkeit in meinem Leben einen grossen Stellenwert. Immer wieder werde ich denn auch gefragt, wie ich auf nachhaltige Mode umgestiegen bin. Bei mir kam das schleichend – ich legte bereits sehr früh Wert auf biologische Lebensmittel und da war es irgendwann einfach nur der logische Schritt, dass auch die Kleider die ich trage der Umwelt und den Menschen, die sie herstellen, nicht schaden sollten. Zudem wollte ich Kleidung auf meiner Haut, welche ohne Chemikalien hergestellt wurde. Glaub mir, das spürt man. Also begann ich mich schlau zu machen und stiess schon bald auf Glore – Your Global Responsible Fashion Store in Luzern.
Das ist nun schon eine ganze Weile her und ich schaue mittlerweile regelmässig bei Glore vorbei. Nicht nur das Gefühl, faire Mode einzukaufen, ist super. Sondern auch das Einkaufserlebnis selbst ist im Glore erste Klasse. Rebekka und ihr Team sind immer gut drauf, wissen genau, welche Beratung du benötigst und geben dir coole Tipps & Ideen zur Inspiration deiner nachhaltigen Garderobe. Genau so stell ich mir Einkaufen vor.
Und so war es denn für mich ganz klar, dass ich mir diese häufig gestellte Frage „Wie stelle ich meine Garderobe auf nachhaltig Mode um ?“ gerne mal von der Fair Fashion Expertin und Geschäftsführerin von Glore Luzern Rebekka beantworten lassen möchte.
Übrigens, mein erstes nachhaltiges Kleid (natürlich gekauft bei Glore) hängt noch heute in meinem Kleiderschrank und wird regelmässig getragen. Also ganz nach Vivienne Westwood. Was das heisst erfährst du gleich im Interview. Viel Spass beim lesen. 

 

Wie kam es dazu, dass du glore Schweiz aufgebaut hast ?

Der Aufbau von glore Schweiz ist eigentlich aus einem Eigenbedürfnis heraus entstanden. Vor gut sechs Jahren habe ich angefangen, mich mit dem Thema ‘nachhaltiger Konsum’ auseinanderzusetzen. Werte, nach denen ich leben wollte wie respektvoller Umgang mit Mitmenschen, Nächstenliebe, verantwortungsbewusstes Handel – vieles, das in meinem Glauben gründete – stimmte nicht mit meinem Konsum überein.
Ich merkte schnell, dass es in der Schweiz sehr schwierig war, Kleider zu finden, welche diesen Kriterien entsprachen. Ich begann im Internet zu recherchieren und als ich mit meinem Mann nach Deutschland in die Ferien ging, wollten wir einige der nachhaltigen Concept Stores besuchen und schauen, ob wir da etwas tolles zum Anziehen finden. Im glore in Nürnberg hatten wir ein sehr tolles Gespräch mit der Mitarbeiterin und ich erwähnte, dass so etwas in der Schweiz noch fehlte. Daraufhin meinte sie, glore überlege schon länger, in die Schweiz zu expandieren. Und so ergab eines das andere und da ich mich sowieso beruflich neu orientieren wollte, packte ich die Chance. Ich merkte: Das ist meine Berufung. Und so begann ich, glore in Luzern aufzubauen.

 

Was bedeutet nachhaltige Mode ?

Für mich umfasst nachhaltige Mode Kleider, welche produziert wurden, ohne etwas oder jemanden auszunutzen oder Schaden zuzufügen. Persönlich und für glore habe ich dabei sehr hohe Ansprüche.
Grundsätzlich ist nachhaltige Mode sowohl sozialverträglich als auch umweltverträglich. Sozialverträglichkeit bedeutet, dass den involvierten Menschen keinen Schaden zugefügt wird, beziehungsweise dass ihnen nichts vorenthalten wird, was ihnen eigentlich zustehen würde. Es wird zu keinem Zeitpunkt Macht über die Menschen ausgeübt.
Umweltverträglichkeit ist in dem Kontext so zu verstehen, dass der Natur nichts genommen wird, das einen langfristigen Schaden nach sich zieht.
Nachhaltige Mode beutet weder die Menschen noch die Umwelt aus.

 

Nach welchen Kriterien stellst du dein Angebot zusammen ?

Grundsätzliche müssen unsere Kleider zwei Kriterien erfüllen:
Zum einen müssen sie unter fairen Bedingungen hergestellt sein. Die Sozialverträglichkeit muss sich durch die ganze Produktionskette, also von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur fertigen Konfektion durchziehen. Das heisst, die Arbeiter werden fair behandelt, sie arbeiten unter sicheren Bedingungen, haben geregelte Anstellungsbedingungen, ihre Arbeit wird bezahlt und sie erhalten existenzsichernde Löhne, es gilt ein Mutterschaftsschutz und die Arbeiter haben humane Arbeitszeiten. Unter fairen Bedingungen gibt es weder Kinderarbeit noch Missbrauch sowie keine Sklaverei und Zwangsarbeit.
Zum anderen müssen Kleider in unserem Laden ökologisch hergestellt werden. Die Umweltfreundlichkeit muss ebenfalls über die gesamte Produktionskette gewährleistet sein. Das heisst, die nachwachsenden Rohstoffe werden in biologischem Landbau angepflanzt, es kommen weder genmanipuliertes Saatgut noch Giftstoffe zum Einsatz. Ökologisch bedeutet auf den nachfolgenden Produktionsstufen insbesondere geschlossene Wasserkreisläufe, Kläranlagen, Verzicht auf toxische Chemikalien sowie vernünftige Transportwege.
Sofern tierische Rohstoffe zum Einsatz kommen, spielt selbstverständlich auch das Tierwohl eine entscheidende Rolle.

 

Wie stelle ich meine Garderobe auf nachhaltige Mode um ? Wie gehe ich da am besten vor ?

In einen ersten Schritt gilt es, sich einen Überblick zu verschaffen. Was habe ich schon im Kleiderschrank ?
Der entscheidende Punkt bei nachhaltiger Mode ist nicht allein das Einkaufen von fair und ökologisch hergestellter Kleidung, sondern es geht im Wesentlichen auch darum, sein Konsumverhalten grundsätzlich zu ändern. Brauche ich immer wieder Neues, viel Neues und das für wenig Geld ? Statt einem Gebrauchsartikel ist Mode zum Verbrauchsprodukt verkommen. Das ist grosser Nonsens! Und wohl Ursprung vieler Probleme, die aus der Fast Fashion Produktion resultieren.
Nachdem ich meinen Kleiderschrank analysiert habe, überlege ich mir, welche Teile ich wirklich cool finde und worauf ich meine (neue) Garderobe aufbauen will. Das ist zudem auch gleich eine Gelegenheit, den Schrank auszumisten. Dinge, die ich nicht mehr anziehe, gebe ich in den Seconhand Laden, einer Schwester/Freundin oder ich organisiere eine Tauschparty mit Bekannten.
Als nächstes überlege ich mir, was ich noch in meiner Garderobe brauche. Neue Kleider sollte ich wenn immer möglich mit dem kombinieren können, was ich behalten habe. Neue Kleider kann ich auf unterschiedliche Weise erwerben: Gibt es das gesuchte secondhand ? Kann ich mir auf einer Tauschparty etwas angeln ? Wenn ich etwas Neues kaufe, dann muss es von sehr guter Qualität sein, eine perfekte Passform haben und idealerweise aus nachhaltiger Produktion stammen.
Ziel ist, dass das neue Teil zu mir passt und zu meiner Garderobe passt und dass ich es lange tragen will und kann. Dann darf es nämlich auch mal etwas mehr kosten, denn langfristig lohnt sich die Investition – ich trage mein neues Lieblingsteil ja nicht nur eine halbe Saison und brauche dann wieder Neues.
Und was natürlich auch noch hinzukommt: Die Kleider müssen entsprechend gepflegt und mit Sorgfalt behandelt werden.
Ich halte es beim Einkaufen mit Vivienne Westwood:

Buy less,

choose well,

make it last!

Allen, die auf nachhaltige Mode beziehungsweise auf einen nachhaltigen Konsum umsteigen möchten, rate ich Folgendes: Sei nachsichtig mit dir selbst. Jede langfristige Veränderung braucht Zeit. Verlier den Mut nicht, auch wenn du mal gegen deine neuen Prinzipien verstösst! Geh Schritt für Schritt. Gib dir auch etwas Zeit, dich an die Preise zu gewöhnen. Beginne zum Beispiel mit einer neuen nachhaltigen Jeans. Und dann eins nach dem anderen.

 

Besitzt du eine Capsule Wardrobe ? Ist das erstrebenswert ?

Eine Capsule Wardrobe im engsten Sinne, sodass jedes Kleidungsstück zu allen anderen passt – das habe ich nicht. Aber meine Garderobe besteht aus vielen Basics, die mir als Grundlage dienen. Und dann habe ich das ein oder andere spezielle Stück, das aber nicht mit allem funktioniert.
Wer sich mit dem Thema nachhaltige Mode und Capsule Wardrobe auseinander setzen möchte, dem empfehle ich das Buch „The Curated Closet“ / „Das Kleiderschrankprojekt“ von Anuschka Rees. Nicht alles darin ist die pure Wahrheit, aber sie bringt vieles genau auf den Punkt. Man lernt, wie man eine stimmige Farbpalette wählt, welche Silhouetten man an sich mag, welche Materialien einem zusagen. Und so lernt man, eine Garderobe aufzubauen, bei der man möglichst viel miteinander kombinieren kann. Dadurch verhindert man viele Fehlkäufe und verfeinert zugleich seinen Stil.
Ob eine Capsule Wardrobe Sinn macht, muss jeder für sich selber entscheiden. Sinnvoll finde ich es aber schon, eine stimmige, dem eigenen Stil und der individuellen Figur entsprechende und in sich einfach kombinierbare Garderobe anzustreben.

 

Wie stehst du zu Second Hand ?

Etwas aus zweiter Hand zu erwerben ist für mich nebst neuer nachhaltiger Mode das einzige Erstrebenswerte (sofern man eben nachhaltig leben und konsumieren möchte). Sei es nun in einem Second Hand Laden oder an einer Tauschparty. Das Schöne daran ist, dass man einem tollen Stück ein zweites Leben schenken kann.
Natürlich ist auch Second Hand nicht einfach die perfekte Lösung. Dahinter steckt im Grunde ja immer noch ein problematisches Konsumverhalten. Viele Menschen beruhigen mit der Abgabe ihrer Kleider und Dinge in Second Hand Shops bloss ihr schlechtes Gewissen bezüglich dem übermässigen Konsum. Das sind gut erhaltene Dinge, die jemand nicht mehr wollte, obwohl es noch funktionstüchtig war. Wäre es nicht schön, wenn wir (wieder) an den Punkt kämen, an dem wir unsere Kleider so sorgfältig auswählen, so lieben und so pflegen, dass wir sie jahrelang behalten und tragen ? Bis sie dann irgendwann wirklich kaputt sind – und hoffentlich ins Recycling gehen.

 

Welches ist deine Lieblingsmarke ?

Keine. Oder alle, dich ich bei mir im glore anbiete… ? Wie auch immer, es gibt für mich nicht ‘die eine’ Marke.
Natürlich gibt es aber Marken, die ich persönlich besonders gerne trage. Ich bin fast 1.80 m gross und da passen mir einfach gewisse Schnitte viel besser. Dazu gehören Kings Of Indigo oder Lovjoi. Auch von Jan’n June oder wunderwerk habe ich Lieblingsteile. Und ganz neu habe ich auch Suite 13 für mich entdeckt – eine Marke, die wir erst seit diesem Frühling anbieten.
Es gibt aber auch Marken, die ich super finde, aber selbst eher nicht tragen kann. CUS aus Barcelona zum Beispiel. Die Designerin lebt ihre Vision so mit Überzeugung und doch so authentisch und unaufdringlich, das finde ich wahnsinnig sympathisch. Und ihre Kollektionen haben irgendwie immer das gewisse Etwas. Andere wie eyd Clothing überzeugen mit ihrem humanitären Engagement. Wieder andere sind super innovativ bei den Materialien. So hat eben jede Marke ihre Daseinsberechtigung. Und wir versuchen, sie den Menschen hier zugänglich zu machen.

 

Liebe Rebekka, ich danke dir ganz herzlich für das gemeinsame Frühstück und das spannende Interview !
Natürlich hab ich nach dem Interview gleich noch ein Paar Bilder vom Laden und der wunderschönen Rebekka geschossen. 

Übrigens gibt es bei mir hier auf dem Blog die Serie Fair Underwear, bei der ich immer wieder neue, nachhaltige Unterwäsche vorstelle. Schau mal hier, hier oder hier vorbei.

 

 

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