Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nur wachsen, wenn wir uns aus unserer Komfort-Zone bewegen und uns dem Unbekannten hingeben. Eine ungewohnte Situation, eine neue Sprache, ein fremdes Umfeld versetzt uns in einen Zustand, in dem wir nicht auf gewohnte Muster zurückgreifen können. Eine Situation, in der wir uns unwohl fühlen, in der wir improvisieren müssen, in der wir einen anderen Weg als den gewohnten gehen müssen um zum Ziel zu gelangen. In solchen Momenten spüre ich meine Grenzen und lerne mich von einer ganz neuen, mir selbst fremden Seite kennen. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich in genau solchen Momenten über mich herauswachse, meine Grenzen überschreiten und stolz & stark aus diesen Erfahrungen hervorgehe. 

Ich begebe mich deshalb immer wieder bewusst in solche fremden & unbekannten Situationen: meine Reise im Alter von 18 Jahren allein nach Indien, mein Praktikum in einer Strafrechtskanzlei in Südafrika oder mein Austauschsemester nach Neuchâtel. Alles Situationen, in denen ich an meine Grenzen stiess und darüber hinaus ging. Aus jeder dieser Erfahrungen bin ich gewachsen und stärker geworden. Für mich ist diese Art des Wachstums Teil des Lebens – Teil meines Weges, das Leben in seiner ganzen Fülle zu spüren, aufzusaugen und zu erleben. Denn das sind die Momente, auf die ich später stolz zurück blicke und sagen kann: ich habe das Abenteuer Leben gelebt – mit allen Farben & Facetten.

Aber es muss nicht immer eine grosse Reise oder eine komplette Umstellung der Lebensumstände sein. Für mich beginnt Wachstum im Kleinen: mal etwas Neues ausprobieren, Gewohnheiten hinterfragen, mich an etwas Fremdes wagen, etwas versuchen – umfallen – aufstehen und nochmals von vorne beginnen. Und so packte mich letzthin die Lust, mich in der analogen Fotografie auszuprobieren. Unwissend, ob die Bilder am Schluss auch dem entsprechen, wie ich sie mir vorstelle und wünsche. Also hab ich es einfach getan. Und dabei ein altbekanntes Gefühl wieder entdeckt: Die Vorfreude. 

Die Vorfreude auf meine Bilder, das leicht angespannte Warten bis die Bilder entwickelt und gescannt waren. Ich musste mich zudem in Geduld üben, was nun nicht gerade meine Stärke ist. Zudem haben die Bilder für ich wieder einen ganz anderen Wert bekommen – man weiss nicht mehr genau, was man abgelichtet hat und lässt sich überraschen. Da ich sehr zufrieden mit meinen Ergebnissen bin, überlege ich mir gerade, ob ich bei meiner nächsten Reise komplett nur mit Film fotografiere. Das wäre ein erneuter Schritt raus aus meiner Komfort-Zone… Wer weiss.

 

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